Im Einsatz auf den Straßen Würzburgs

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Ein Leben auf der Straße – für viele von uns kaum vorstellbar, doch leider die Realität vieler jungen Leute in ganz Deutschland, ja auch in Würzburg. Problemen in der Familie, Suchterkrankungen, Armut und Arbeitslosigkeit drängen sie in diese Situation. Sie fallen ganz einfach durch das Raster unseres Versorgungssystems. Genau hier will das Team von Streetwork Würzburg und die zugehörige Anlaufstelle “Underground” ansetzen und Hilfe leisten. 

Eine Gruppe Jugendlicher am örtlichen Bahnhof, die sich ihre Zeit mit Alkohol vertreibt, das dürfte für uns alle kein unbekanntes Bild sein. Das ist was wir auf den ersten Blick sehen. Häufig wurden diese Menschen von ihren Lebensumständen dazu gedrängt: familiäre Probleme, Armut und ArbeitslosigkeitDort sind sie für die meisten Institutionen nicht mehr erreichbar. Sich selbst Hilfe zu suchen kommt oft auch nicht in Frage, die Hemmschwelle ist einfach zu hoch. Wer versucht jetzt die Jugendlichen zu unterstützen und sie zurück in ein geordnetes Leben zu begleiten? Oft sind es Sozialpädagogen*innen in der Streetwork. 

Was ist Streetwork eigentlich? 

Wo junge Erwachsene oft durch das Raster unseres Systems fallen, versucht die Streetwork sie wieder aufzufangen. Bei der Streetwork (zu Deutsch Straßensozialarbeit oder aufsuchende Sozialarbeit) wird Wert darauf gelegt, die Zielgruppe in ihrem bestehenden Umfeld aufzusuchen und eine Bindung aufzubauen. Der soziale Raumin den sie durch ihre Lebensumstände gezwungen wurden, war oft genug die Straße, weshalb die lange der Haupteinsatzort der aufsuchenden Sozialarbeit war. Heute ist der Einsatzbereich viel flexibler. Hilfe wird nun direkt in den Familien, in der Migrationshilfe und sogar den Sozialen Medien angeboten. Zwei wichtige Ziele sind zuerst der Aufbau von Kontakt und die Gesundheit der Adressat*innen. Später wollen sie dann helfen Veränderungen anzuregen, welche sie dann auch weiterhin begleiten. 

Dieses Konzept wird in Würzburg seit 1996 verfolgt. Für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von circa 14 bis 27 Jahren leistet ein Team aus (Sozial-)Pädagogen*innen und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen aufsuchende Sozialarbeit und bietet eine Betreuung in der Anlaufstelle “Underground”.

  • Wichtig ist mit Akzeptanz, Offenheit und Respekt an die Lebenssituation und die Lebensumstände der Jugendlichen heranzugehen.  
  • Anonymität /Parteilichkeit: Die Sozialarbeiter*innen vertreten die Jugendlichen und ihre Interessen. Dabei sollten sie die Anonymität der Betroffenen wahren. 
  • Flexibilität  
  • Freiwilligkeit der Adressat*innen akzeptieren, denn es ist leichter den jungen Erwachsenen zu helfen, wenn sie selbst bereit für eine Veränderung sind. 
  • Ein Geschlechtsspezifischer Ansatz unterstützt den Aufbau von Vertrauen zu den Streetworker*innen.  
  • Dauerhaftigkeit und 
    Durchhaltevermögen.  
  • Um die Jungen Menschen nicht sofort zu verschrecken ist es wichtig, keine Vorleistungen zu erwarten. 
  • Anpassungsfähigkeit  
  • Aufbau einer Beziehung  
  •  Von Übernachtungsmöglichkeiten bis hin zur Arbeitssuche, informieren und beraten die Sozialarbeiter die jungen Erwachsenen zu jedem Hilfsangebot.     
  • Unterstützung und Motivation 
  • Zum Aufgabenbereich zählt auch die Vermittlung, nicht nur an andere Hilfseinrichtungen, sondern auch in den Familien. 
  • Begleitung zu Behördengängen oder einfach im Alltag. 
  • Auch materielle Hilfen, wie Klamotten und manchmal auch Geld werden in besonderen Fällen angeboten. 
  • Freizeitangebote  
  • Durch Öffentlichkeitsarbeit versuchen Streetworker*innen mehr Verständnis und Hilfe für die Betroffenen in der Gesellschaft zu erreichen. 
  • Zugang zu Essen und Getränken  
  • Duschen, Waschmaschinen sowie Trockner 
  • Internetzugang, Telefon und die Möglichkeit die Anlaufstelle als Postadresse anzugeben 
  • Das Projekt Brainstorming in Zusammenarbeit mit der Don-Bosco-Schule Würzburg  
  • Gespräche mit Jobcenter  

Als Teil des Diakonischen Werkes Würzburg e.V. ist die Anlaufstelle “Underground” nur durch Sach- und Geldspenden finanziertHier wird die Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Beteiligung der Würzburger greifbar.  

Eines ist mir klar geworden: Für einige Jugendliche ist ein Leben mit festem Ausbildungs- oder Studienplatz, einer Arbeit oder auch einer Wohnung nur mit der Hilfe der Streetwork möglich. Deshalb setze ich mich gerne für die Ziele der Streetwork in Würzburg einGerade weil viele derjenigen, die diese Angebote benötigen, in einem ähnlichen Alter sind wie wir. Trotzdem ist unsere Lebenssituation so unterschiedlich. Wir starten in unser Studi-Leben, während die betroffenen Jugendlichen versuchen ihren Alltag auf der Straße zu meistern.  

Also falls ihr euch noch weiter über das Thema Streetwork Würzburg und die Anlaufstelle “Underground” informieren wollt, könnt ihr euch gerne das Erklärvideo unserer Medienmanagement-Kollegen hier anschauen. 
http://streetwork-wuerzburg.de/wp-content/uploads/2020/08/Simpleshow_StreetworkWuerzburg.mp4 

Infos zum Nachlesen: 
https://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/streetwork-aufsuchende-soziale-arbeit/ 
http://streetwork-wuerzburg.de/anlaufstelle-underground/ 
https://diakonie-wuerzburg.de/erziehung-betreuung/jugendarbeit-jugendsozialarbeit/streetwork.html

Melina Roppelt