Luftschloss

©️ unsplash.com: Brooke Lark

Etwas, was man gern hätte, was man sich wünscht, was aber nur in der Fantasie existiert 

Dies ist die Definition eines Lufschlosses. 

In Würzburg ist dies ein Ort für alte und ungeliebte Dinge. Sie können abgegeben und von jedermann umsonst abgeholt werden. 

In der Gutenbergstraße zwölf gibt es seit acht Jahren den Umsonstladen, der sich Luftschloss“ nennt. Und der Name ist Programm: Das Ziel ist hier nicht, Gewinn zu machen, sondern ungeliebten und ungebrauchten Dingen ein neues Zuhause zu geben.  

Prinzipiell kann man alles abgeben. Da laut dem Luftschloss aber viele Kunden zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, sind kleinere Dinge von Vorteil. Dies hat auch etwas damit zu Tun, dass die Ladenfläche ziemlich klein ist. Würde jeder mit alten Möbeln ankommen, wäre der Laden wohl innerhalb kürzester Zeit rappelvoll. Schmuck ist zum Beispiel eine gute Idee oder die Deko-Stücke, die sich über die Jahre doch eher in Staubfänger verwandelt haben. Auch Handys oder alte Computer können hier einen neuen Besitzer finden. Wichtig ist, dass alles vor der Abgabe sauber gemacht wird und Elektrogeräte funktionstüchtig sind. 

Solltet ihr euch dennoch fragen, ob es auch für große Gegenstände eine Auffangstation“ gibt oder selbst auf der Suche nach Möbeln seid, schaut doch mal bei dem Sozialkaufhaus Brauchbar vorbei. Genauer könnt ihr euch hier auf unserem Blog darüber informieren. 

 

Jeder der hofft hier alte Klamotten endlich loswerden zu können, wird leider enttäuscht sein. Der Laden wurde in der Vergangenheit einfach zu sehr mit Kartons voller Kleidung überhäuft. Allerdings soll es ja auch kein Second-Hand-Shop für Kleidung sein, sondern allen möglichen Gegenständen ein neues Zuhause bieten. Spendet Kleidung doch am besten direkt an die Caritas oder das Rote Kreuz. Hier können die Sachen auch richtig sortiert und zuverlässig an Bedürftige weitergegeben werden. 

Die ganzen abgegeben Sachen können natürlich auch abgeholt werden. Und das ist das Coole am Luftschloss: man kann nicht nur abgeben, sondern auch einfach so Dinge mitnehmen. Ohne zu bezahlen. Der Umsonst-Laden richtet sich an alle Menschen, nicht nur an bestimmte Gruppen. Es war den Gründern wichtig, dass hier jede*r willkommen ist.  Somit bietet er auch für Studierende, die knapp bei Kasse sind, eine gute Möglichkeit, günstig, beziehungsweise kostenlos, an Neues zu gelangen.  

 

Doch wie wurde er überhaupt gegründet? 

In Würzburg gibt es seit längerer Zeit bereits die Weltbewusst-Initiative. Diese ist ein bundesweites Projekt und wird hier durch einen interaktiven Stadtrundgang vertreten, der umweltbewusstes Handeln nahe bringen soll. 

Bei einem Sommertreffen kam die Idee für dem Umsonst-Laden. Ganz neu war sie nicht, denn das Prinzip eines solchen Appells an den Konsumüberfluss der heutigen Gesellschaft, gab es bereits in anderen Städten, wie zum Beispiel Nürnberg oder Hamburg. 

Man begann erstmal klein mit einer Geschenkbox. Aufgestellt wurde die Box im Innenhof eines Cafés. Das Prinzip sollte das gleiche sein, wie das des heutigen Ladens. Man kann alles mögliche mitbringen, in die Box legen und Dinge, die man braucht, einfach mitnehmen. Quasi andere beschenken und selbst beschenkt werden. Zunächst war man besorgt, wie die Idee ankommt, doch schnell war die Kiste überfüllt. 

Und seitdem findet man in einem kleinen, eher unscheinbaren Lagerraum das Luftschloss. Die Miete hierfür wird durch Spenden finanziert. 

Um diese zu sammeln, gibt es immer wieder Veranstaltungen, organisiert von den Helfer*innen des Luftschlosses. Diese arbeiten alle ehrenamtlich. Jeden ersten Dienstag im Monat gibt es ein Helfer*innentreffen. Hier sind alle herzlich willkommen mal vorbeizuschauen. Egal, ob ihr im Laden tatkräftig mithelfen oder mit Veranstaltungen mitplanen wollt. Jede Hilfe ist gern gesehen. Wer möchte kann auch mit einer Spende helfen, die Miete zu bezahlen. 

 

Persönlich halte ich das Prinzip eines Umsonstladens für eine super Idee. Ich werde auf jeden Fall mal herausfinden, ob es auch welche in meiner Gegend gibt, solange ich nicht in Würzburg wohne. Über die Jahre stapelt sich doch einiges an Zeug an für das man keine Verwendung mehr hat. Mich interessiert es außerdem total, was denn andere Leute so für Sachen abgeben und eventuell findet ja auch der ein oder andere Gegenstand bei mir ein neues Zuhause. 

Bis das Geschäft allerdings wieder, aufgrund der Corona Pandemie, öffnen darf, müssen wir uns leider mit unserer Suche nach neuen, bzw. alten, Schätzen noch ein wenig gedulden. Für mehr Infos rund um das Luftschloss schaut auf deren Website nach.  

Während wir also warten, können wir ja gedanklich unsere eigenen Luftschlösser bauen. Oder habt ihr vielleicht bereits eine Idee für eins? Und wenn man fest dran glaubt, findet das ein oder andere irgendwann bestimmt seinen Platz in der Realität. 

Annika Flotzinger