Wie die Brauchbar GmbH ökologische und soziale Nachhaltigkeit vereint

Eigenes Foto (Sara Reinhard)

Gerade in den letzten Monaten haben viele von uns wahrscheinlich vor lauter Langeweile das komplette Haus oder die Wohnung einmal auf den Kopf gestellt und ausgemistet. Aber wohin eigentlich mit dem ganzen Zeug, dass wir nicht mehr Zuhause haben wollen? 
Internetseiten wie Kleiderkreisel.de oder Ebay bieten die perfekte Möglichkeit, Kleidung, Möbel oder sonstigen Kram, von dem wir uns getrennt habenzu verkaufen oder zu tauschen. Während das für uns eine gemütliche Methode ist, Ausgemistetes loszuwerden und dabei vielleicht auch noch ein paar Groschen dazu zu verdienen, bietet zum Beispiel Brauchbar eine weitaus nachhaltigere Alternative – und das nicht nur im ökologischen Sinne.

Laut dem Beitrag über „Wegwerfmode“ des norddeutschen Rundfunks schmeißt jede*r Bundesbürger*In im Jahr durchschnittlich 16 Kleidungsstücke in Altkleidercontainer. Ein Teil davon landet leider direkt im Müll, da die Kleidung dreckig oder kaputt ist. Andere Teile davon werden in Second-Hand-Shops verkauft oder als Ware in osteuropäische oder afrikanische Länder versendet. 
Nur ca. 10 % werden an Bedürftige weitergegeben. Vereine und Unternehmen wie Brauchbar bieten im Gegensatz dazu eine bereichsübergreifend nachhaltige Alternative, Altkleider oder sonstige Gebrauchsgegenstände zu entsorgen. Dabei setzt Brauchbar nicht nur auf den Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit, sie fokussieren sich ebenfalls auf den Faktor der sozialen Nachhaltigkeit.   

Doch was steckt eigentlich hinter Brauchbar?  

Die Brauchbar gGmbH wurde im Januar 1997 vom Diakonischen Werk Würzburg e.V. und der evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Würzburg ins Leben gerufen. Das Ziel war es, ein nachhaltiges Konzept zu erstellen, das einerseits eine günstige Einkaufsmöglichkeit für Bedürftige darstellt und andererseits für Langzeitarbeitslose eine Möglichkeit ist, wieder ins Berufsleben einzusteigen. So sollte vor allem im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit das Problem der steigenden Arbeitslosigkeit in Angriff genommen werden.  

Welche Ziele verfolgt Brauchbar heute?  

  1. Verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen: Durch den Weiterverkauf von gebrauchten Waren wird dazu beigetragen, dass weniger Gebrauchsgegenstände und Kleidung im Müll landen 
  2. Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen: Durch die Beschäftigung an einem der Standorte wird es Langzeitarbeitslosen erleichtert, sich wieder in den Arbeitsmarkt einzufinden. 
  3. Einkommensschwache Haushalte unterstützen: Die Brauchbar gGmbH hat sich zum Ziel gesetzt, mithilfe einer angemessenen Preisgestaltung auch Menschen mit geringem Einkommen einen Mehrwert zu bieten.  
  4. Schaffung von Arbeitsplätzen  

 
Die Brauchbar gGmbH hat im Landkreis Würzburg viele verschiedene Standorte. Das Sozialkaufhaus im Stadtteil Grombühl bietet ein großes Sortiment – von Gebrauchsgegenständen wie beispielsweise Geschirr oder Blumentöpfen bis hin zu Kleidung und Büchern. Die Pfundgrube in Lengfeld wurde im Jahr 2008 eröffnet. Hier wurde anfangs Kleidung zu Pfundpreisen verkauft – mittlerweile findet man hier allerdings auch das volle Sortiment. 
Auch für Bücherliebhaber ist was dabei – im Antiquariat in der Zellerau entdeckt man wahrscheinlich den ein oder anderen Schatz. Hier findet man unter anderem auch Schallplatten, CDs oder DVDs. Im Limit, ein weiterer Standort von Brauchbar, findet ihr alles rund um Textilien. Und das Beste daran: Die Preise liegen hier zwischen nur 50 Cent und 3 Euro.  

Alle weiteren Standorte von Brauchbar findet ihr hier: https://www.brauchbarggmbh.de/ 

Und woher bezieht Brauchbar denn eigentlich ihre Waren?  

Ganz einfach: Mit den Waren, die wir ausmisten und an Brauchbar spenden, können sie diese günstig anbieten und mit dem Erlös durch den Verkauf Arbeitsplätze erhalten.  
Spenden können bei Brauchbar in jeder Filiale, in der die gespendeten Waren auch angeboten werden, abgegeben werden. Natürlich während den Öffnungszeiten. Sollte es doch mal etwas mehr werden, können Spenden sogar gegen einen Pauschalbetrag abgeholt werden. Bis auf ein paar Ausnahmen wird hier prinzipiell auch alles angenommen, was eben noch „brauchbar“ ist.  

Mein Fazit: Auch wir können auf einfachem Wege nicht nur etwas Gutes für die Umwelt tun, sondern auch die soziale Nachhaltigkeit unterstützen. Dazu braucht es oftmals gar nicht viel. Ich hatte mich selbst auch dazu entschlossen, meine letzte Sammlung von Klamotten, die sonst nur in meinem Kleiderschrank versauern würden, bei Brauchbar abzugeben. Aus eigener Erfahrung kann ich euch somit sagen: Es ist sehr unkompliziert, die Mitarbeiter*Innen in der Pfundgrube in Lengfeld sind sehr zuvorkommend und höflich. Außerdem kann sicher sein, dass sich jemand anderes daran erfreuen darf. Meine nächste Sammlung findet definitiv wieder ihren Weg zu Brauchbar.  

Eigenes Foto (Sara Reinhard)

Alle Informationen zu Brauchbar findet ihr auf der Website des Unternehmens: https://www.brauchbarggmbh.de/ 

Sollte euch der Beitrag des NDR zur „Wegwerfmode“ interessieren, findet ihr hier mehr dazu: https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wegwerfmode-Was-passiert-mit-Altkleidern,kleidung170.html

Alina Hailer