Vom Feld direkt auf den Küchentisch

www.pexels.com / Lukas

Frisches, regionales Obst und Gemüse vom Bauern unseres Vertrauens. Genau davon träumen in der heutigen Zeit viele und doch machen es die wenigsten. Die Solidarische Landwirtschaft Würzburg zeigt wie einfach es sein kann. 

Die Solidarische Landwirtschaft Würzburg gehört zum bundesweiten Netzwerk der Solidarischen Landwirtschaft. Die Vorgehensweise ist im Grunde überall gleich und wirklich simpel. 

Die Konsumenten, die sogenannten Ernteteiler*innenbezahlen einen fairen monatlichen Beitrag an landwirtschaftliche Betriebe und erhalten im Gegenzug Pakete mit regionalen, ökologischen und saisonalen Produkten. Das Entscheidende ist, dass die Beiträge auch gezahlt werden, wenn das Gemüse nicht der Norm der Supermärkte entspricht, weil es ein bisschen krumm und schief ist oder es Ernteausfälle geben sollte. Genau das verschafft den Bauern Planungssicherheit. Außerdem werden die Ernteteiler*innen mit in den Anbau, die Ernte und die Verarbeitung der Produkte einbezogen, wodurch ein direkter Austausch mit den Landwirten hergestellt werden kann. Alles in allem unterstützt ihr bei dem Projekt die Bauern und ihre nachhaltige Landwirtschaft und profitiert auch noch selbst davon. Es ist also eine Win-win-Situation.  

2019 wurde die Solidarische Landwirtschaft auch in Würzburg gegründet, unter anderem von Sebastian Hausmann. Dieser hat sein Masterstudium mit dem Themenschwerpunkt Umwelt- und Naturschutz in der Landwirtschaft absolviert und war so nett uns noch einige Fragen zu beantworten.  

 

1. Was hat Sie dazu bewogen, die SoLaWi auch in Würzburg zu starten?  

Gemeinsam mit einer Freundin, Nina Wagner, kam ich Ende 2018 auf die Idee der Gründung einer SoLaWi in Würzburg. Wir haben beide einen starken Bezug zur Landwirtschaft und legen großen Wert auf regionale, saisonale, ökologische Ernährung. Zu wissen, nicht nur wo, sondern von welchen Menschen die eigenen Lebensmittel angebaut werden und dass diese Menschen auch einen fairen Lohn für ihre tägliche Arbeit erhalten war unsere Motivation. 

 

2.  Was ist Ihr Ziel, welches Sie mit dem Projekt erreichen wollen?  

Das Projekt soll in jeder Hinsicht nachhaltig sein. In ökonomischer Hinsicht soll es Menschen – unabhängig ihres Einkommens, sozialer Hintergründe, etc. – möglich sein, regionale Bio-Lebensmittel zu beziehen und zeitgleich soll den Erzeuger*innen ein angemessenes Einkommen zustehen. Die Möglichkeit der Interaktion zwischen Ernteteiler*innen und Erzeuger*innen und die Option der Mitarbeit schaffen eine Verbindung zwischen allen Beteiligten. All dies kennzeichnet wohl eine gut funktionierende SoLaWi aus und dies sind auch die Ziele, die ich persönlich damit verfolge. 

 

3.  An dem Projekt nehmen der Biobauernhof der Familie Kraus-Egbers aus Oberalterheim und die Main-Streuobst-Bienen Eg aus Margertshöchheim teil. Warum gerade diese Betriebe? 

Beide Betriebe haben wir bewusst angesprochen. Der Bauernhof der Familie Kraus-Egbers Mosmann ist familiengeführt, beschäftigt – anders als viele andere Gemüsebetriebe – keine Saisonarbeitskräfte unter prekären Arbeitsverhältnissen. Zudem wird der Hof von der Elterngeneration bereits seit fast 40 Jahren ökologisch bewirtschaftet. Die Main-Streuobst-Bienen Genossenschaft pflegt und beerntet Streuobstwiesen zwischen Kitzingen und Lohr. Streuobstwiesen sind eine bedrohte Kulturlandschaft und Lebensraum für unzählige Arten und somit Hotspots der Biodiversität. Streuobstprodukte über den gewöhnlichen Lebensmitteleinzelhandel zu vertreiben ist jedoch unwirtschaftlich geworden, weshalb mehr und mehr dieser Flächen aufgegeben werden.  

 

4.  Anfang 2019 haben Sie das Projekt in Würzburg offiziell ins Leben gerufen. Wie wurde es bisher angenommen? 

Während wir vor dem Start der SoLaWü noch auf Eigeninitiative die Idee der SoLaWü verbreiteten, wurden es im 2. SoLaWü-Jahr allein durch “Mund-zu-Mund Propaganda” mehr Ernteteiler*Innen, wobei die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder des 1. Jahres auch im 2. Jahr wieder mit dabei waren. Die Resonanz ist von Verbraucher*Innen wie Erzeuger*Innen sehr positiv. 

 

5.  Auf der Seite der VEG e.V habe ich gelesen, dass auch gemeinsame Aktionen mit den Ernteteilern geplant sind. Konnten diese Ideen umgesetzt werden?  

Es fanden bis Ende Oktober regelmäßig Mitmachaktionen auf dem Hof der Familie Kraus-Egbers Mosmann statt. In der Regel alle zwei Wochen. Unregelmäßige Mitmachaktionen gibt es auch das ganze Jahr über auf den Streuobstwiesen in Margetshöchheim und Umgebung – zu Erntezeiten mehr als den Rest des Jahres. Die Mitmachaktionen umfassen gewöhnlich gemeinsames Arbeiten und ein gemeinsames Essen. Es fanden aber z.B. auch eine Felderrundfahrt, ein Erntedankfest, Kochabende und Vorträge statt 

Wenn euch das Projekt interessiert und ihr im neuen Jahr auch gerne ein*e Ernteteiler*in werden wollt, schaut auch auf der Seite der VEG vorbei! 

Wie und wo ihr ansonsten nachhaltig einkaufen könnt? Lest ihr in unseren anderen Artikel unter Food & Lifestyle.

Fakten:

  •  Gehört zum Netzwerk der solidarischen Landwirtschaft 
  • Anfang 2019 von Nina Wagner und Sebastian Hausmann gegründet 
  • Teil des VEG e.V. Würzburg 
  •  Erzeuger*Innen: Familie Kraus-Egbers Mosmann, Main-Streuobst-Bienen eG. 
  • Ca. 60-80 Euro pro Monat, Preis wird solidarisch ermittelt 
  • Vier Pakete pro Monat 
  • Jedes Paket mit saisonalem und regionalem Obst und Gemüse 
  • Ein Paket reicht für 2-3 Personen  
  • Abholstellen: Laden der VEG (Annastraße 11), QueerBeet Laden (Frankfurter Straße 87)  

©️ Sebastian Hausmann

Giuliana Gado