Weltladen: Die Vision einer gerechteren Welt

Im Interview erzählt uns Lea Pfeifer, Bildungsreferentin des Würzburger Weltladens, von ihrer Arbeit und der Vision, die sich dahinter verbirgt.

©️ Weltladen Würzburg

Der Dritte-Welt-Laden ist vielleicht Einigen ein Begriff. Heute heißen die Fachgeschäfte für fairen Handel schlicht „Weltladen“. Der Grundgedanke aber ist geblieben: Mit einer breiten Auswahl an fair gehandelten Produkten aus Entwicklungsländern an das Konsumbewusstsein der Menschen zu appellieren. So sollen gerechte Arbeitsbedingungen auch für die, die am Anfang der Lieferketten stehen, also die Produzent*innen möglich gemacht werden. Lea Pfeifer ist Teil des Teams im Würzburger Weltladen und schildert, wie die Arbeit im Weltladen aussehen kann und was man mitbringen sollte. 

Weltläden sind „Orte des Wandels hin zu einer gerechteren, nachhaltigeren Welt von morgen.“ So schreibt es der Weltladen Dachverband auf seiner Website. Die Interessensvertretung der deutschen Weltläden wurde 1975 als Arbeitsgemeinschaft der Dritte Welt Läden gegründet. Entstanden aus Protesten kirchlicher und politischer Gruppen gibt es heute rund 2500 Weltläden in Europa, davon 935 in Deutschland. Diese führen nicht nur Produkte aus fairem Handel, sondern bieten zusätzlich Bildungs- und Informationsveranstaltungen an und setzen sich auch politisch für fairen Handel und mehr Gerechtigkeit ein.  

 

 

Auch in Würzburg ist die Weltladen-Initiative seit 1977 vertreten. Lea Pfeifer ist die Bildungsreferentin im Würzburger Weltladen. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Organisation von Bildungsveranstaltungen auch die Vernetzung mit überregionalen Eine-Welt-Gruppen und anderen Menschenrechtsgruppen. Sie erzählt uns mehr über ihre Arbeit: 

 

1.      Frau Pfeifer, wie sah ihr Weg ins Weltladen-Team aus und seit wann sind Sie Mitarbeiterin? Was motiviert Sie persönlich, Teil eines Weltladens zu sein? 

Der Weltladen Würzburg ist einer der größten von rund 900 Weltläden in Deutschland. Der Laden wird getragen von der gemeinnützigen Initiative Eine Welt e. V.  und wir arbeiten hier mit einem Team von rund 40 ehrenamtlichen und 5 hauptamtlichen Ladenmitarbeiter*innen. Die Themen Fairer Handel und Globales Lernen begleiten mich schon sehr lange, daher kannte ich den Weltladen als Kundin schon viele Jahre bevor ich Teil des Teams wurde. Seit Oktober 2020 bin ich Bildungsreferentin im Weltladen Würzburg. 

Mich motiviert besonders das Wissen, wirklich etwas verändern zu können. Jedes verkaufte Produkt bei uns im Weltladen trägt dazu bei, diese Welt ein kleines bisschen fairer und gerechter zu machen. Und die Informations- und Bildungsarbeit hilft dabei, ein breiteres Bewusstsein in der Bevölkerung dafür zu schaffen. 

 

2.      Der Weltladen bietet nicht nur den Verkauf von fair gehandelten Produkten sondern auch politische Projekte und Bildungsveranstaltungen an. In welchen Bereichen sind Sie tätig? 

Mein Arbeitsschwerpunkt im Weltladen ist die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, also z. B. Bildungsangebote für Schulen und Vereine, aber auch Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung mit der Organisation von Vorträgen, Ausstellungen, Podiumsveranstaltungen usw. 

 

3.      Es wird außerdem viel Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter*innen im Weltladen über fairen Handel und nachhaltige Produkte Bescheid wissen. Welche Qualifikation mussten Sie mitbringen, um Mitarbeiterin zu werden, und wie wurden Sie eingearbeitet? 

Wichtig ist vor allem das Interesse am Fairen Handel: die Bereitschaft sich für eine gerechtere Welt einzusetzen und sich mit den Zielen des Fairen Handels zu identifizieren. Für mich als Bildungsreferentin kam noch die Erfahrung in der Erstellung und Durchführung von Bildungsangeboten dazu. 

Neue Mitarbeitende bei uns im Team werden begleitet und umfassend eingearbeitet. Es gibt auch Schulungen für die Mitarbeitenden, um mehr Hintergrundwissen über den Fairen Handel zu erlangen und so auch noch besser auf Fragen der Kund*innen reagieren zu können. Wenn wir neue Produkte ins Sortiment bekommen, werden diese auf den normalerweise monatlich stattfindenden Treffen der Ladengruppe vorgestellt. Corona-bedingt sind diese Austauschtreffen zur Zeit aber leider eingeschränkt. 

4.      Auch politische Aktionen gehören zum Tätigkeitsbereich des Weltladens. Was halten Sie für die beste Methode, um politisch etwas zu bewegen? 

Wichtig ist, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. In der breiten Masse lässt sich etwas bewegen. Als einzelne kleine Stimme ist es schwierig von der Politik gehört zu werden. Deshalb ist die Informations- und auch die Vernetzungsarbeit so wichtig. Wir sind bspw. im Eine-Welt-Forum Würzburg mit vielen entwicklungspolitischen Gruppen und sozialpastoralen Verbänden aus Würzburg und Umgebung vernetzt. So können wir alle unseren Wirkungskreis erweitern und gemeinsam stärker für die Menschenrechte, globalen Umweltschutz und die Gleichstellung aller Menschen auftreten. Und gemeinsam lassen sich dann auch größere, öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen. 

 

5.      Zur Philosophie des Weltladens gehört ebenfalls, dass ständig nach Verbesserung gestrebt wird, Fehler korrigiert werden und die eigene Leistung reflektiert wird. Was für Schritte können Sie empfehlen, um das eigene Konsumverhalten kritisch zu betrachten und zu verbessern? 

Generell stellt sich die Frage, wie viel Konsum nötig ist. Bei Klamotten haben viele eine Menge Kleidungsstücke im Schrank, die sie nie oder fast nie tragen. Deshalb kann schon beim Einkauf darauf geachtet werden, ob das neue Produkt wirklich nötig ist. „Brauche ich das wirklich?“, „Wann ziehe ich das an?“, „Kann ich das mit etwas aus meinem Schrank kombinieren?“ sind einige hilfreiche Fragen. 

Eine Möglichkeit ist, statt etwas Neues zu kaufen, etwas zu nutzen, was schon da ist und nicht extra neu produziert wurde. Also etwas durch Reparieren wieder nutzbar zu machen. Oder durch Leihen bzw. Teilen, z. B. die Bohrmaschine mit den Nachbarn oder auch Carsharing. Auch Tauschen kann eine Möglichkeit sein, wie auf einer Kleidertauschparty. Oder aber gebraucht zu kaufen, beispielsweise in Second Hand Läden. So kann dann die Lebensdauer von Produkten verlängert werden. 

Und wenn es doch ein neues Produkt sein muss, kann darauf geachtete werden, ob es auch eine nachhaltige Alternative gibt, wie das T-Shirt aus fairer Biobaumwolle. Außerdem ist es wichtig, das alte Produkt richtig zu recyclen, damit die Rohstoffe zurück in den Kreislauf kommen können. Also bspw. das alte Handy nicht einfach in die Tonne zu werfen, sondern zu einer Sammelstelle zu bringen, das geht auch bei uns im Weltladen. 

Wichtig ist aber nicht nur das eigene Konsumverhalten, sondern auch den Gedanken des nachhaltigen und fairen Konsums weiter zu tragen. In einigen Bereichen, zum Beispiel bei technischen Geräten, gibt es bisher fast keine fairen und nachhaltigen Alternativen. In diesen Fällen kann beim oder nach dem Kauf eines konventionellen Produkts mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen werden und der Wunsch nach einer nachhaltigen, fairen Alternative geäußert werden. Außerdem kann durch die Teilnahme an Petitionen beispielsweise auch Druck auf die Politik ausgeübt werden den rechtlichen Rahmen zu verändern, z. B. durch ein Lieferkettengesetz oder ein Recht auf Reparatur von Elektronikgeräten. Und in Gesprächen mit Familie, Freund*innen und Kolleg*innen können noch mehr Menschen für dieses Thema begeistert werden. 

 

6.      Zu guter Letzt: Wie kann man selbst im Weltladen aktiv werden? 

Bei uns im Weltladen gibt es viele Möglichkeiten, ehrenamtlich aktiv zu werden. Und zwar in ganz unterschiedlichen Bereichen: 

  • Die Ladengruppe ist für den Verkaufsbetrieb im Laden zuständig. Jeweils zwei Mitarbeitende teilen sich eine 2- bis 3-stündige Schicht im Laden. 
  • Für Kreative ist die Gestaltung der Schaufenster als Info- oder Produktfenster eine Möglichkeit, sich einzubringen. 
  • Die Büchergruppe kümmert sich um unser Büchersortiment mit Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika und organisiert Autor*innenlesungen 
  • Die Galeriegruppe plant und gestaltet Ausstellungen in der Galerie. 
  • Ihr könnt aber auch die Öffentlichkeitsarbeit für den Fairen Handel unterstützen durch Info-Stände, Straßentheater usw. 
  • Außerdem gibt es die Möglichkeit, im Bildungsbereich mitzuarbeiten. Das bundesweite Projekt WELTbewusst, getragen von der BUNDjugend, informiert in Form eines Stadtrundgangs über Globalisierung und nachhaltigen Konsum. 

©️ Weltladen Würzburg

Vielen Dank an Lea Pfeifer für die Einblicke hinter die Kulissen.  
Wer interessiert ist, kann sich persönlich im Weltladen melden, per Mail unter initiative@weltladen-wuerzburg.de oder telefonisch unter 0931-17308. Das Team des Weltladens freut sich! 
Wer jetzt neugierig auf die Arbeit der Weltläden geworden ist, findet hier weitere Informationen: 
 

Weltladen Würzburg: https://www.weltladen-wuerzburg.de/laden/mitarbeit 
Weltladen Dachverband: https://www.weltladen.de/ueber-weltlaeden  
Konvention der Weltläden: https://www.weltladen.de/site/assets/files/2990/5_konvention_der_weltlaeden_2019.pdf 

Gunda Mallmann