Unverpackt: Susanne Waldmann und Sabrina Kütt packen aus

Die Fotos von Stränden voller Plastikmüll oder von Meerestieren, die dem Plastik zum Opfer gefallen sind, hat vermutlich Jede*r im Kopf. Sie gehen immer und immer wieder durch die Medien. Der hohe Verbrauch von Plastik ist eines von vielen Problemen, die unseren Planeten immer mehr zerstören. Aber Plastik ist ein Problem, bei dem Jede*r Einzelne sofort etwas tun kann. Anfangen kann man da beim plastikfreien Einkaufen im Supermarkt oder wenn man auf Nummer sicher gehen will: in einem Unverpackt-Laden. In Würzburg findet ihr einen solchen in der Sanderstraße und im Folgenden könnt ihr mehr über die Menschen erfahren, die dahinterstecken.

Plastikfrei einzukaufen erfordert eigentlich nur ein bisschen Vorbereitung. Der Unverpackt-Laden in der Sanderstraße ist sicherlich den meisten schon ein Begriff. Hier kann man seine eigenen Behälter mitbringen, zum Beispiel Gläser oder Dosen und sich im Laden dann die Menge an Lebensmitteln abfüllen, die man braucht. Ganz ohne Verpackungsmüll.

Wir wollen euch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und in die Geschichte des Unverpackt-Ladens liefern. Wer steckt dahinter und was bewegt diese Menschen? Was wollen sie erreichen?

Die Idee für den Unverpackt-Laden hatte Gründerin Susanne Waldmann im Frühjahr 2016. Bis zur Eröffnung im März 2017 gab es viel zu organisieren: Neben den allgemeinen Gründungsaufgaben, musste Einiges über nachhaltige Alternativen in Erfahrung gebracht werden: eine gebrauchte Ladeneinrichtung, Ökostrom, Flyer und Visitenkarten aus recyceltem Papier sollten her und konnten mit ausführlicher Recherche schließlich auch umgesetzt werden. All das, um den Laden „so enkeltauglich wie möglich“ zu machen.

Nachhaltigkeit zieht sich seit der Kindheit durch Susanne Waldmanns Leben. Seit über 30 Jahren setzt sie sich damit auseinander Nachhaltigkeit möglichst gut in ihren Alltag zu integrieren. Mit dem ausgeprägten Bewusstsein für die Umwelt und der Verfolgung der sich verschlimmernden Situation kam auch der Wunsch Andere zum nachhaltigen Leben zu inspirieren. Um etwas zu bewegen und plastikfreies Einkaufen für die Würzburger*innen möglich zu machen gründete sie den Unverpackt-Laden. Da sie 20 Jahre auf dem Land verbrachte, hatte sie schon einige Kontakte zu Bio-Landwirtschaftsbetrieben, die sie nun auch für ihren Laden nutzen konnte. Über die Jahre kamen immer mehr Lieferant*innen hinzu. Sabrina Kütt, eine Mitarbeiterin im Unverpackt-Laden, berichtet stolz, dass sie alle regionalen Lieferant*innen immer noch persönlich kennen und zum Teil auch schon mehrfach besucht haben.

Eine Anekdote, an die man sich im Unverpackt-Laden gerne erinnert:

„Der erste Verkauf von drei Lorbeerblättern war eine lustige Begegnung: Die Waage konnte sie nicht wiegen, weil das Gewicht unter 2 Gramm lag. Wir lachten, und der Kunde entschied, zu bezahlen, als wären es 2 Gramm. Schließlich brauchte er ja nicht mehr als die drei Blätter.“

Auch das gehört zum Konzept des unverpackten Einkaufens: Man kauft nur so viel, wie man gerade braucht. Oft genug bestimmen die Relation von Preis und

Verpackungsgröße unser Einkaufsverhalten und so wird schon mal mehr gekauft als nötig.

Für einen nachhaltigen Lebensstil rät sie zu kleinen, aber konkreten Schritten beim eigenen Einkauf: unverpacktes Obst und Gemüse gibt es in fast jedem Supermarkt. Bei Joghurt, Milch oder Marmelade haben wir meist die Möglichkeit stattdessen zum Glas zu greifen.

Selbermachen sei ebenso ein gutes Mittel zum Zweck: Hier empfehlt sie einfache Rezepte für kostengünstige, vegane Brotaufstriche. Sabrina Kütt rät zum Ausprobieren. Wie viel kann man im eigenen Alltag umstellen? Sie macht sogar Handseife und Shampoo selbst. DIY-Fans können also kreativ werden!

Die Mitarbeiterin hat mittlerweile in jedem Laden ein Bewusstsein für unverpacktes Einkaufen entwickelt, denn oft genug geht man eben doch zum herkömmlichen Supermarkt. Hier ist dann aber der Stoffbeutel immer mit dabei und wenn möglich wird im Glas statt im Tetrapack gekauft.

Die Nachhaltigkeit in Würzburg empfindet sie im Wandel. Auch deswegen arbeitet das Unverpackt-Team darauf hin eine Genossenschaft als Träger des Unverpackt-Ladens zu gründen. Warum Genossenschaft?

„Das ist ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Nachhaltigkeit. Denn Eine*r weiß und kann einiges, aber viele wissen und können mehr. Daher können wir als Genossenschaft noch nachhaltiger handeln, und, wenn wir wachsen, dann langsam, nachhaltig und bewusst wachsen.“

Sagt Sabrina Kütt.

Zum Schluss noch ganz konkret von Sabrina Kütt an euch:

„Wir hoffen, dass jeder Einzelne von uns versucht, das Thema “unverpackt” – soweit es einem selbst möglich ist – immer mehr in den Alltag einzubringen. Wir freuen uns jedes Mal, wenn ein neuer Unverpackt Laden eröffnet wird und diese Idee gelebt wird. So wachsen über die nächsten Jahre die Möglichkeiten, unverpackte Verbrauchsgüter und Alternativen zu Plastikprodukten einzukaufen. Wir wünschen uns, dass über das Thema “Unverpackt” andere Bereiche der Nachhaltigkeit wie kontrolliert biologischer Anbau, Transportwege und fairer Handel nicht in Vergessenheit geraten. Man muss nicht alles von Heute auf Morgen ändern. Viel wichtiger ist es, in kleinen Schritten zu versuchen, was möglich ist. Denn auch in diesen Zeiten, darf das Thema Nachhaltigkeit, Umweltschutz & Plastikvermeidung nicht vergessen werden.“

Wenn ihr nun das Konzept vom unverpackten Einkaufen auch für euch ausprobieren wollt, schaut doch mal vorbei – auch während Corona-Zeiten hat der Unverpackt-Laden geöffnet. Und sonst lädt ja vielleicht die Lockdown-Zeit zum Selbermachen ein. Mit ein bisschen mehr Bewusstsein, Know-How und Kreativität kann jede*r von uns den eigenen Alltag ein wenig nachhaltiger gestalten. Natürlich ist Nachhaltigkeit im Alltag nicht nur durch den Verzicht auf Plastik gesichert, aber kleine Veränderungen sind immer besser, als eine „Ich alleine kann da sowieso nichts verändern“-Mentalität. Und wer nicht jeden Tag in die Stadt kommt, findet auch im klassischen Einzelhandel Unverpackt-Konzepte, wie zum Beispiel im tegut am Hubland.

Die Fragen beantwortete Sabrina Kütt

 

Mit der Gründung einer Genossenschaft können mehr Menschen eingebunden werden und eine enge regionale Zusammenarbeit wird möglich. Mitglieder beteiligen sich finanziell und haben dann auch ein Stimmrecht, welches sie zum Beispiel bei einer jährlichen Generalversammlung geltend machen können. Insgesamt stärkt die Gründung einer Genossenschaft den wirtschaftlichen Standpunkt und erleichtert die Zusammenarbeit vieler Menschen an einem Projekt. In Würzburg arbeitet so zum Beispiel schon die Main-Streuobst-Bienen eG, die mit ihren Mitgliedern auf regionale Streuobst- und Honigprodukte mit Bio-Siegel hinarbeitet. Auch das Zukunftshaus hat den Prozess zur Genossenschaftsgründung in die Wege geleitet.

Gunda Mallmann