Slow Fashion vs. Fast Fashion

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Jede*r Deutsche kauft circa 60 Kleidungsstücke pro Jahr und trägt ihre/seine Klamotten auch nur noch halb so lang wie noch vor 15 Jahren. Große Fast Fashion-Textilunternehmen, die wöchentlich neue Kollektion in die Läden bringen, tragen einen großen Teil zu unserem wahnsinnigen Konsumverhalten heutzutage bei, welches unserer Umwelt enorme Schäden zufügt.  

Wir haben uns gefragt, wie genau Fast Fashion die Umwelt beeinflusst und was es mit dem Hoffnungsträger Slow Fashion auf sich hat.  

Probleme von Fast Fashion – „Das Geschäft mit der schnellen Mode“ 

Fast Fashion bezeichnet im Allgemeinen Mode, die schnell abgewickelt wird. Das bedeutet, dass die Klamotten schnell produziert und in die Läden gebracht werden. Die rapide und billige Herstellung macht es den Marken möglich sich sofort an aufkommende Trends der aktuellen Mode anzupassen und somit auch mehr Kunden anzuziehen. Dieser blitzartige Prozess von der Idee zum fertigen Kleidungsstück hat hauptsächlich negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und auf die Arbeiter*innen, die durch dieses Konzept ausgebeutet werden. Denn um die Billigpreise für den/die Endverbraucher*in zu gewährleisten, arbeiten die Näher*innen, meistens in Asien, für einen Hungerlohn. Und um die Massen an Kleidung stemmen zu können werden neben den hohen Arbeitszeiten der Arbeiter*innen, oft 10 bis 12 Stunden am Tag, nicht selten auch Kinder eingesetzt. So wird bei der Qualität der Stoffe auch gespart. Vor allem durch die Pestizide, mit denen die Baumwolle vor der Verarbeitung behandelt wird, und durch das Färben von Textilien gelangen giftige Substanzen in das Grundwasser und Seen in der Nähe der Fabriken und zerstören somit Lebensraum. Einen weiteren umweltschadenden Faktor stellen die Kunstfasern, oder auch Chemiefasern genannt, dar. Und wie der Name schon sagt werden diese Fasern in einem chemischen Prozess hergestellt. Wenn eure Kleidung Anteile von Polyester oder Polyamid enthält, wurde diese mit Kunstfasern, die aus dem nichtgenerierbaren Rohstoff Erdöl gewonnen wurden, hergestellt.  

Daraus resultiert, dass neben der Qualität auch die Langlebigkeit der Klamotten darunter leidet, und der Kunde dementsprechend gezwungen ist viel öfter sämtliche Produkte nachzukaufen.  

Viele Marken, bieten ihre Kleidung zu viel zu billigen Preisen an, die beispielsweise weder eine faire Bezahlung der Arbeiter*innen, noch der Lieferanten ermöglichen können. In Bangladesch lag der Monatslohn der Textilarbeiter*innen 2017laut Angaben von FashionUnited, bei 61 bis 68 US-DollarUnd trotzdem lassen wir uns oft dazu verleiten etwas zu kaufen was wir gar nicht wirklich benötigen, da wir nicht an die negativen Seiten denken, die hinter den für uns attraktiven Billigpreisen stecken. Deshalb landen viel mehr Klamotten auf dem Müll oder bleiben auch unberührt in unserem Kleiderschrank hängen. 
Unsere Konsumgesellschaft heute lässt sich ebenso gut als Wegwerfgesellschaft bezeichnen. 

 

Gegenbewegung „Slow Movement“ 

In den letzten Jahren wurden die sogenannten „Slow Movements“ immer populärer, wie zum Beispiel Slow Food oder auch Slow Travel. Bei beiden Bewegungen, wie auch bei Slow Fashion, geht es vor allem darum bewusster zu konsumieren und bestimmten Dingen mehr Wertschätzung entgegenzubringen.  

Slow Fashion achtet sowohl auf Umwelt und Menschen hinsichtlich Arbeitsrechte als auch darauf, dass der Kunde am Ende ein wertvolles Produkt in den Händen hält.  

Somit stellt Slow Fashion das direkte Gegenteil von Fast Fashion darund wie es der Name schon selbst sagt, steht die Verlangsamung im Vordergrund. 

Das bedeutet: es erscheint nicht jede Woche eine neue Kollektion, sondern beispielsweise nur zwei Mal im Jahr. Bei diesen Kollektionen legen die jeweiligen Designer vor allem Wert auf zeitlose Designs und sehr gute Qualität, in Bezug auf die verwendeten Textilien. Damit die Kleidung jahrelang getragen werden kannwerden die Materialen mit Bedacht ausgewählt. Slow Fashion Brands setzen oft auf natürliche oder recycelte Stoffe und teilen ihren gesamten Herstellungsprozess und die Kosten transparent mit ihren Kunden. 

In Würzburg kann ich euch den Laden JAC- Just act collective empfehlen, falls ihr Interesse daran habt mal in Würzburg fair shoppen zu gehen. Auch online findet ihr etliche tolle fair Fashion Shops aus Deutschland, wie zum Beispiel Hessnatur oder Loveco, mit Sitz in Berlin. 

 

Aber was genau macht jetzt Slow Fashion nachhaltig?  

Weniger Produktion bedeutet zum einen weniger Kleidung, die potentiell auf dem Müll landen kann, aber auch weniger CO2 entsteht, welches unsere Luft verschmutzen kann. Denn die Modeindustrie ist verantwortlich für über eine Milliarde Tonnen CO2, die jährlich verursacht werden, was mehr Verschmutzung als durch alle Fluggesellschaften zusammen darstellt. Was kein Wunder ist, da die Klamotten oft bis zu 200.000 Kilometer zurücklegen, bevor sie bei uns in den Läden hängen.  

 

Wie kann ich etwas zu Slow Fashion beitragen?  

Versuchdas nächste Mal beim Shoppen ganz bewusst durch die Läden zu gehen und genau zu überlegen was ihr wirklich noch in eurem Kleiderschrank benötigt. Und wenn ihr wirklich ein Kleidungsstück braucht, könnt ihr euch informieren, wo es in eurer Stadt Läden gibt, die Kleidung verkauft, die unter den Bedingungen von Slow oder Fair Fashion hergestellt wurde.  

Alternativ könnt ihr ebenso gut in Second Hand Läden oder auf Flohmärkten shoppen gehen. Dies stellt eine günstigere Option dar, die vor allem viele junge Menschen nutzen. Thrift Shopping ist in den letzten Jahren wieder sehr beliebt geworden. 

Und falls ihr mal selbst Klamotten habt, die ihr nicht mehr braucht oder die euch einfach nicht mehr gefallen, schmeißt sie nicht weg, sondern nutzt beispielsweise Apps wie „Vinted“. Die App stellt einen online Flohmarkt dar durch den ihr ganz gemütlich zuhause stöbern und gleichzeitig eure ungenutzte Kleidung loskriegt. Hier, wie auch bei Second Hand Läden oder echten Flohmärkten könnt ihr Schätze zu günstigen Preisen finden. 

Viel Spaß dabei! 

Tabea Hanstein